Überaltete Copingmechanismen

Kennst Du das auch? Du hast Handlungsabläufe und Reaktionsmuster, die Dich behindern, langsam nerven oder einfach irgendwie nicht zu dem Bild der Person passen, die Du denkst, die Du bist? Und doch laufen sie automatisch ab und sind für Dich eher hinderlich als förderlich?
Ein Beispiel dazu könnte sein, dass Du Dich immer zurücknimmst, wenn es darum geht, Dir Deine eigenen Bedürfnisse einzugestehen und dann auch auf sie einzugehen, ihnen nachzugehen.
Das kann bedeuten, dass Du mal einen Tag faul im Bett verbringen möchtest, ohne das Dich dabei ein schlechtes Gewissen plagt, dass Du nicht zu dem Club mit Deinen Freunden gehst, weil Du keine Lust hast, obwohl Du Dich verpflichtet fühlst, Dir etwas gönnst, ohne zu denken, Du hättest es nicht verdient, über ein Thema einfach nicht mehr sprichst, obwohl die anderen es brennend interessant finden, Dich für Deine Entscheidungen nicht mehr rechtfertigst, obwohl Du es gewohnt bist, Erklärungen abzuliefern usw usf.
Es gibt einige Dinge, die wir immer wieder tun, die auf Autopilot abgerufen werden, die aber eigentlich garnicht mehr für uns passen.
Sie haben damals gepasst und waren vielleicht sogar notwendig, man nennt das auch Copingmechanismus. Aber was damals in einem anderen Kontext gepasst hat und sinnvollerweise einstudiert wurde, ist heute vielleicht fehl am Platz und unnötig.
Kennst Du solche Verhaltensmuster? Mit denen Du Dich eigentlich längst schon unwohl fühlst, die Dich nerven und trotzdem noch immer die einzig abrufbare Reaktionsweise für Dich darstellen?
Notier Dir sie mal und überlege Dir, wann Du sie einstudiert hast und warum. Um den Weg des geringsten Widerstands zu gehen? Weil es sonst Geschimpfe gab? Weil es nicht 'cool' oder 'in' war, sich so zu verhalten? Um eine negative Reaktion zu vermeiden? Weil sie nicht zu Deinem damaligen Selbstbild passten?
Du kannst so veraltete Verhaltensweisen identifizieren und Dir vorstellen, mit welchen neuen Du sie ersetzen möchtest. Und auch hier: siehe die neue Verhaltensweise zunächst als Experiment und probier Dich darin aus. Du musst auch nicht gleich ins gegenteilige schwenken. Du kannst Dich auch langsam Deinem Ideal nähern. Und wenn ein Experiment nicht die gewünschten Ergebnisse bringt, gestalte erneut um und überleg Dir etwas anderes.
Ausgetretene Pfade sind bequem und vertraut, allerdings, wie sagte der Philosoph Paul Watzlawick so treffend:
'Wenn Du immer wieder das tust, was Du immer schon getan hast, dann wirst Du immer wieder das bekommen, was Du immer schon bekommen hast. Wenn Du etwas Anderes haben willst, musst Du etwas Anderes tun! Und wenn das, was Du tust, Dich nicht weiterbringt, dann tu etwas völlig Anderes, statt mehr vom gleichen Falschen!'
Probier es mal aus, Du wirst sehen, wie es Dein Leben ein bißchen leichter macht.
Ich wünsche Dir einen guten Tag


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