Wie finde ich den für mich richtigen Therapeuten?

(DISCLAIMER: Ich verwende in Zukunft nur noch die (für mich neutralen) Begriffe 'Therapeut' und 'Klient' usw. Mich, als Frau, stört es nicht besonders und ich finde, so geht der Lesefluss nicht verloren. Ich hoffe, das ist ok für Dich.)
1.Am Wichtigsten ist wohl die 'Chemie' zwischen Therapeut und Klient, da es sonst sehr schwer wird, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Wenn Du Dich also auf die Suche machst, gehe auch nach Deinem Gefühl/Sympathie/ersten Eindruck.
2.Es kommt natürlich auch auf Dein Problem an. Falls Du es ganz klar umreissen kannst, macht es Sinn, sich einen Therapeuten zu suchen, der sich damit auskennt bzw. evtl sogar darauf spezialisiert ist.
3.Verschiedene Therapeuten arbeiten auch mit verschiedenen Therapiemethoden. Oft sind bei gewissen Störungsbildern ganz klar Methoden indiziert, wobei die (kognitive) Verhaltenstherapie von dem Großteil der niedergelassenen Psychotherapeuten praktiziert wird. (Auf die einzelnen Therapieformen gehe ich in einem anderen Beitrag ein.) Dabei gibt es auch Unterschiede in der Rollenverteilung. Es gibt direktive und nicht-direktive Therapien und es kommt auf Deine Bedürfnislage und Deine Charakterausrichtung an, ob eher ein Geleitet-werden oder ein Sich-einbringen durch den Grad des Störungsbildes indiziert ist. Das hängt zudem stark von der Problemlage ab und den Lebensumständen, die Dich gerade betreffen.
4.Für Dich persönlich ist es eventuell auch wichtig, ob der Therapeut ein Mann oder eine Frau ist, je nach dem, mit einem Vertreter welchen Geschlechts Du Dir eher vorstellen kannst, zu sprechen. Vielleicht bist Du auch nicht CIS und suchst nach einem LGBTQ-nahen Therapeut, der dies auch explizit erwähnt.
5. Passend zu Punkt 4 ist es für Dich vielleicht auch relevant, welchen kulturellen/ethnischen/religiösen Background Dein Therapeut haben sollte. Im Idealfall ist der Therapeut offen und verständnisvoll, aber wenn Du bspw in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen bist und der Therapeut zB kaum ausserhalb von Europa war oder wenig mit anderen Kulturen in Berührung kommt, kann es sein, dass er einiges nicht nachvollziehen kann. Ein Faktor, der nicht so oft benannt wird.
In diese Kategorie gehört auch das Thema Sprache: idealerweise findest Du einen Therapeuten, der Deine Muttersprache selber (fliessend!) spricht.
6.Falls Du unter zB unter Agoraphobie leidest, ist es Dir eventuell momentan garnicht möglich, Dein Haus zu verlassen und Du bist für die erste Zeit der Behandlung darauf angewiesen, einen Therapeuten zu finden, der zu Dir kommt oder Therapie im virtuellen Raum anbietet.
7.Oder, zu der Rubrik: wo ist der passende Therapeut?: vielleicht lebst Du auch etwas abgelegen und es findet sich keine für Dich passende Praxis in der Nähe? Hier gibt es die Möglichkeit, nach Anbietern von Online Psychotherapie zu suchen. Es gibt inzwischen immer mehr Praxen, die dies auch anbieten.
8. Jeder von uns kennt vermutlich die eine oder andere Geschichte, wo jemand erst beim dritten oder vierten Therapeut das Gefühl hatte: das passt jetzt. Manche haben es dann auch einfach aufgegeben. Dazu gibt es dreierlei zu sagen: erstens, siehe Punkt 1 dieses Beitrags, zweitens: vielleicht war die Person innerlich noch nicht wirklich bereit (das muss allerdings nichts Schlechtes sein, hierzu einer meiner Lieblingssprüche: 'Würdige den Prozess') oder aber drittens, sie ist müde geworden, schon wieder jemandem neuen von ihrem Problem zu erzählen, was sicherlich sehr frustrierend ist, denn das macht es bei jedem Mal schwerer.
9.Dann kommt natürlich noch der Faktor Kosten ins Spiel. Suchst Du einen kassenzugelassenen oder einen privat praktizierenden Therapeuten auf? Beides hat seine Vor- und Nachteile. Die Gegenüberstellung der beiden Möglichkeiten werde ich in einem weiteren Beitrag ausführlicher besprechen. Nur soviel kurz dazu: bei Praxen mit Kassenzulassung sind die Wartezeiten oft länger und die Therapiemethoden eingeschränkt, bei privaten Praxen sind die Kosten bisweilen abschreckend, vor allem, wenn man gerade knapp bei Kasse ist.
10. Falls Du generell ein Problem damit hast, Menschen zu vertrauen, wirst Du auch ein Problem damit haben, Dich jemandem an-zu-vertrauen. Hier ist dann auch wiederum das Setting ein Faktor, und es kann sein, dass Dir dann ein etwas neutralerer Ort, wie bspw. eine Klinik wichtig wäre, wo das Herangehen eher aus ärztlicher Sicht geschieht. Oder aber eben doch ein virtueller Raum, wo Du Dich sicherer fühlst.
11. Ich wiederhole es noch einmal: die Chemie muss stimmen!
Hast Du noch Fragen oder Ergänzungen zum Thema? Oder eigene Erfahrungen?
Ich wünsche Dir einen guten Tag
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